Hier geht es um die Aufteilung des Messers in unterschiedlichen Bereichen, wie diese Bereiche unser Fechten beeinflussen und wie wir das Schwert fassen und führen sollen.
(47v) schvech vnd sterck
Itm~ du solt auch vor allen dingen wissen die schwech vnd sterck des messers Nu merck von dem gehultz biesß an die mitte des messers das ist die sterck Vnd von der mit biß an das ortt das ist die schwech vnd wie du dar vß vechten solt daß V findest her noch geschreben vnd waß das wort Indes ist etc sechs haulb lere - Hie lert der meinster wie man sich schuecken sol in dem vechten deß messers vnd wie man sich darin schuecken sol vnd zuem ersten soltu mit eyner hant fechten mit dem messer vnd die ander vff dem ruecken halte~ Ob du aber willt mit lerer hant vechten als mit messer nemen vber grieffen arm beschlueßen etc So soltu die hant von dem rueck vff die bruest wende~ waß du wiltt Inlbendig uber den arm triben etc
Aufteilung wie abgebildet.
Fassarten:
- normale Griff
- Daumengriff: (z.B. bei Hut "Ochs"), Daumen liegt auf der Innenfläche. (gegenüber Wehrnagel)
- Daumen aufgelegt. Daumen wird z.B. beim Stich auf das Rücken des Messergriffes gelegt.
- Beidhändig: beide Hände fassen zu
Freie Hand wird beim Messerfechten hinter den Rücken gehalten. Aber nicht dogmatisch, sollte eine Aktion / Reaktion dies erfordern kann / soll der freie Hand für greifen, drücken, hauen eingesetzt werden.
Studiengruppe “Langes Messer nach Lecküchner” - messer.micoon.de:
"In den meisten Huten wird die Ausrichtung der Kurzen und der Langen Schneide beschrieben. Diese zeigt in den Huten nach oben oder nach unten, nie horizontal (auch wenn der Hau zwer – also sehr schräg bis horizontal - geschlagen wird). Die Textstellen zusammen deuten auf eine lotrechte Ausrichtung der Klingenbreite (des Kreuzes), doch bei genauerem Blick auf die Illustrationen lässt sich erkennen, dass (sofern von der Hau- oder Stichrichtung passend) der Klingenrücken trotz scheinbarer vollständigen Seitenansicht vom Künstler gezeichnet wurde. Dies ist nur dann möglich, wenn das Messer nicht lotrecht, sondern in einer Schräglage gehalten wird. Um mit möglich kurzen Bewegungen selber zu bestimmen, welche Schneide den Klingenkontakt erhält, muss das Messer schräg gehalten werden. Der Winkel der Schräglage ist je nach Situation unterschiedlich und hängt von Faktoren wie Körpergrößenunterschied und Kraftrichtung ab.
Wie im modernen Fechten überlässt man es nicht dem Zufall, ob die kurze oder lange Schneide der Waffe den Klingenkontakt erzeugt. Wie bei den Stoßwaffen ist die Handgelenkdrehung entscheidend, welche Klingenseite die gegnerische bindet. Auch wenn bei Hiebwaffen die Haurichtung den Klingenkontakt mit genau derjenigen Schneide zu bevorzugen scheint, mit der auch der Hau begonnen wurde, so ist dies nicht zwingend und auch nicht sinnvoll: “etc So dw den zorenhaw hawest so windt dein messer gegen dem seinen das dy lang schneid übersich stee” (cgm582 7r). Da ein Oberhau von rechts mit der Kurzen Schneide voran kraftlos, kurz und leicht zu brechen ist, empfiehlt es sich, diesen mit der Langen Schneide zu beginnen und erst im Hau oder sogar im Klingenkontakt das Handgelenk zu drehen. Der Klingenkontakt mit der Kurzen Schneide ist jedoch notwendig, um das Beispielstück mit einem abwärts geführten Stich zu fechten. Die Lehre aus dem Stück ist: den Gegner nicht wissen zu lassen, mit welcher Schneide er angebunden wird. Man bedenke, dass das Kreuz des Messers einen gut sichtbaren Indikator darstellt. Für die Lehre und die Übungen der Stücke ist eine solch hintersinnige Handarbeit doch eher unpraktisch.
Das Messer wird in verschiedenen “Daumengriffen” gehalten. Der Daumen wechselt fließend zwischen vier Positionen:
- Hammergriff: der Daumen steht gegenüber den Fingern, sie bilden ein O und umschließen den Griff.
- Flächengriff: Daumen liegt auf der Seite ohne Wehr, auf der Klinge oder auf der entsprechenden Griffseite
- Kantengriff: Der Daumen liegt auf der Kante (etwa 45° zum Kreuz) zwischen Griffrücken und Fläche.
- Säbelgriff: Der Daumen liegt auf den Griffrücken vor dem Kreuz (französischer Fechtgriff)
Die Daumenpositionen sind fließend, selten jedoch findet sich der typische Hammergriff. Diesen sieht man in den Illustrationen meist beim “Ausholen”, bei Hieben, die mit der Kurzen Schneide beginnen und enden oder in einer Bindung, die ein Nachgeben zum Handgelenk hin erfordern. Der Kantengriff findet sich in fast allen Häuen, in Stichen der Säbelgriff. Aufgrund der hohen Geschwindigkeit variiert die Daumenposition von direkt auf dem Rücken des Messergriffs bis hin zu leicht neben dem Kreuz, denn in dem steten Wechsel der Häue und Stiche lässt sich der Daumen zwar bewegen, doch eine exakte Position kaum einnehmen. Fast immer ist der Daumen relativ gestreckt. Diese Haltung ermöglicht ein “Stützen” der Klinge und schützt den Daumen bei korrekter Schräglage der Klinge sehr gut durch das Kreuz. Daraus ergeben sich zwei Konsequenzen:
- Das Messer wird maßgeblich durch die vier Finger gegen die Handinnenfläche gehalten und dirigiert. Der Daumen stützt erst bei “Kontaktaufnahme”.
- Klingenkontakt wird immer mit den Schneiden (nicht den Flächen) gesucht, sofern der Daumen nicht auf der Klinge liegt.
Diese “Daumengriffe” entsprechen den Illustrationen und sind in der Praxis als sinnvoll und hilfreich probiert worden. Allgemein ist bei der exakten Befolgung der Illustrationen Vorsicht geboten, da diese oft auch Eleganz ausdrücken sollen oder zeichnerisches Unvermögen die richtige Haltung verfälscht. Insgesamt sind diese doch erstaunlich genau und hilfreich bei der Durchführung der Techniken."